Freitag, 23. August 2013

Die Schublade (4)



14. Dezember 1993

Zähne sind ein ganz schlechtes Thema bei mir. Wenn ich das auf der Rückseite richtig verstehe, habe ich da meine ersten Teilkronen aus Keramik bekommen. Schön, dass der Mensch auch vergessen kann – ich vermute, es war furchtbar.

Donnerstag, 22. August 2013

Top Ten

  1. No Stars Again Shall Hurt You - Purcell: The Tempest
  2. Qual nave smarrita - Georg Friedrich Händel: Radamisto
  3. Muzika - Les Yeux D' La Tête: Danser sur les toits
  4. Cinéma - Les Yeux D' La Tête; Danser sur les toits
  5. Il Treno Va - Paolo Conte: 900
  6. Allegro - Sergei Prokofiev:  Symphonie 1
  7. Voglio strage, e sangue vogli - Carl Heinrich Graun: Cleopatra & Cesare
  8. Danser sur les toits - Les Yeux D' La Tête: Danser sur les toits
  9. Le dormeur du rail - Les Yeux D' La Tête: Danser sur les toits
  10. Grapefruit Moon - Tom Waits:  Asylum Years
Viel bewegt sich nicht, aber dann doch etwas, siehe Vormonat.

Manche können es eben

Hinter Wolfgang Schröder kam ein Typ herein, der sicher noch mehr Schwierigkeiten mit Papier hatte als er. Lang, schlaksig, pickelig, grinsend. Einer von denen, die sich auf Lieblingsschallplatten setzten. Einer von denen, die man beim Geschirrspülen erleben muß, um ihre Tragik zu verstehen. 

Cony Lens: Steeler Straße - Die Sonnenbrillenfrau; Haffmans Verlag 1990

Aus der Traum

Wir hatten eine richtig gute Wohnung zum Kauf von Freunden angeboten bekommen, aber die Lücke zwischen dem, was sie haben wollen und dem, was wir finanzieren können, ist halt dann doch unüberbrückbar.

Irgendwie nett


Die Schublade (3)



um 2005

Eins dieser vielen Give-Aways, die man auf Konferenzen und Ausstellungen mitbekommt. Ich kann mich erinnern, dass die gar nicht mal so schlecht geschmeckt haben. Jetzt lasse ich lieber die Finger davon.

Mittwoch, 21. August 2013

MV

Die Mitgliederversammlung war, weil zu wenig da waren, nicht beschlußfähig.

Die Mitgliederversammlung dauerte fast zwei Stunden.

Die Schublade (2)



um 1990

Als sie mir mein Kindheitsfreund K. schenkte, habe ich mich schon arg darüber gefreut. Er war kein großer Schenker und all die anderen Dinge, die ich von ihm bekommen habe, sind schon längst alle den Gang alles Irdischen gegangen. Gefreut hab’ ich mich auch deswegen, weil das für mich Ausdruck war, dass er mit meinem Schwulsein keine Probleme hat. Getragen habe ich sie aber nur äußerst selten, so missionarisch wollte ich dann doch nicht sein. 

Wiederholung erwünscht

Früher konnte ich mich ja recht gut an meine Träume erinnern, dass ist jetzt leider nicht mehr so. Erotische Träume waren schon immer sehr, sehr selten. Doch heute war richtig was los im Bett. Der Mensch neben mir im geträumten Bett hatte jedenfalls den hübschesten Knackarsch der mir je untergekommen ist und als es dann in die heiße Phase ging kam meine ehemalige Chefin ins Zimmer, anscheinend die Mutter von ihm. Das fand ich schon abtörnend, aber er hat sie einfach rausgeschmissen, obwohl sie mehr darüber entsetzt war, was für eine Art von Unterhosen er trägt und nicht so sehr ob meiner Anwesenheit. Ich fand seine Unterhose jedenfalls mehr als attraktiv und drei hat er mir dann auch gleich geschenkt. 

Dienstag, 20. August 2013

C.

C. macht mir wirklich Sorgen. Seit Monaten hängt er im Loch.Wir können nur chatten, wie gestern Abend, und da ist dann nur von seiner Seite ein schwarzes Loch. Ich kann gerade tun, was ich will, entweder überhört / überliest er es oder er kommt mit einer noch depressiveren Antwort. Da helfen gerade meine Erfahrungen überhaupt nicht - aber im Dezember mache ich ja die Mail-Ausbildung. 

Und dabei war er so ein lebensfroher Kerl, mit dem ich durchaus gerne nochmals Sex hätte, denn seine Art war dann doch überraschend anders. Aber so verkriecht er sich nur noch, geht nicht mehr aus dem Haus, hat sich zwei Katzen als Alibi angeschafft, um zu Hause bleiben zu können, Besuche empfängt er nur selten, weil er Ruhe braucht ... 

Ne Therapie würde ihm gut tun ... aber die muss er ja selber wollen, überreden dazu kann ich ihn ja nicht. Boa ist das kompliziert. 

Die Schublade (1)



nach 2001

Da gibt es nicht viel zu erzählen. Briefmarken in so einem Clip, in dem normalerweise der Name prangt. Sicher von einer meiner vielen Konferenzen. Bei manchen Veranstaltungen wurde man gebeten, dieses Plastikding wieder zurück zu geben, die kosten nämlich gar nicht mal so wenig. 

Montag, 19. August 2013

Momente ohne Datum VIII

Bloß jetzt keine Freundlichkeit, sie würde nur beschönen, hinfällig werden lassen. Und wo bliebe dann der Stolz des Trotzes, der erhabene Stolz der Verweigerung, der Ich sagen läßt?
Bloß jetzt keine Freundlichkeit, sie wäre doch nur für kurze Zeit, würde doch nur über etwas hinwegtäuschen, was da ist, was da nicht ist. Lieber allein bleiben, für eine Zeit zumindest, nachdenken, überlegen. 

Zurück, zurück

Geschichte hat mich ja nie wirklich interessiert. In der Schule war das halt so ein Fach, in dem ich keine Lorbeeren mir verdiente (in welchem Fach denn überhaupt?). Zwar habe ich dann komischerweise Geschichte studiert, aber die Herangehensweise da war mir so zu wider, dass ich ein Semester später in die Philosophie gewechselt bin.

Letzte Woche kaufte ich dann aber ganz spontan, quasi wie ferngesteuert, mir von Philipp Bloom "Der taumelnde Kontinent - Europa 1900-1914" gekauft. Wenn ich das nun erklären sollte warum, könnte ich nur mit den Schultern zucken. Das hab' ich jetzt suchtmäßig, selbst ohne Lesebrille, durchgelesen, fast sogar durchgearbeitet. Einiges war mir in dem Zusammenhang total neu, bei anderem ging mir manchmal sogar etwas die Augen auf. Trocken ist das Ganze gar nicht, das hat sogar Eleganz und hin und wieder Witz - und manchmal schöne Bösartigkeit, wie hier: 
Auf der unabsehbaren Liste ihrer Liebhaber [Sara Bernhardt] befanden sich auch Edward, der Prinz von Wales, der Künstler Gustave Doré, Gabriele d'Annunzio, Pierre Loti und "der ultrahomosexuelle Robert de Montesquiou, Prousts Charlus, den sie schelmisch in den heterosexuellen Sex einführte, was ihn dazu brachte, sich vierundzwanzig Stunden lang zu übergeben". 
Es ist übrigens schon echt bemerkenswert, wie viele Parallelen man zu heute schlagen kann, was gewisse Neuerungen und vor allem Unsicherheiten betrifft.

Und als ich die Brille holen ging, habe ich mich gleich mit dem nächsten geschichtlichen Werk zugedeckt, jetzt guck ich mir mal die Preußen genauer an. 

!

Fein, die neue Lesebrille sitzt schon auf der Nase. Jetzt können sich meine Arme wieder entspannen. 

Die Schublade (0)



Es ist eine von meinen 18 Schubladen, die ich in meinem Arbeitszimmer habe. So richtig benutzen tue ich keine. In einer habe ich Druckerpapier, in einer anderen Batterien, in einer dritten lauter altes technisches Gerät und in meiner Liebelingsschublade – die benutze ich auch häufig – lauter lose Photos. Diese hier, die zweite von oben des roten Schrankes mache ich vielleicht einmal im Jahr auf – weiß ja, dass sie nur Kruscht enthält. Was, wie ich gemerkt habe, nur zu einem Teil stimmt, denn sie enthält Geschichte und in gewisser Weise – zumindest für mich – Heiligtümer (die ich wohl etwas besser achten sollte).

Bis ca. Mitte November werde ich jetzt - automatisiert - jeden Tag (um 10 Uhr) ein Ding aus der Schublade mit Bild und Kommentar hochladen. Die Reihenfolge der Dinge aus der Schubladen ergab sich beim Photographieren rein zufällig.

Sonntag, 18. August 2013

Nachfrage

P. rief wie abgesprochen an, hatten gut vier Wochen nicht mehr miteinander gesprochen wegen der Urlaube. Ich hatte ihm beim letzten Mal erzählt, dass wir vielleicht auf einen FKK-Campingplatz gehen werden. Und das war dann auch gleich seine erste Frage. Und im Gegensatz zu vielen anderen, denen wir davon in der Zwischenzeit erzählt haben, blieb es nicht bei dieser einen Frage, sondern er wollte alles ganz genau wissen. Und im Verlaufe das langen Gespräches flocht er immer mal wieder ein, dass er da und da auch nackt gewesen sei. 

Ich will dem Ganzen keine große Bedeutung zu messen, aber wenn ich nun ein Literat wäre, würde ich das in einen meiner Roman einbauen. Denn er weiß bspw. dass ich gerne nackt bin, wir sind uns seit bald 30 Jahren sehr vertraut und wenn wir uns besuchen, schlafen wir zusammen nackt im selben Bett meist unter der selben Decke. Aber es hat bisher nur zwei Nachmittage geben, und das ist jetzt auch an die 20 Jahre her, wo wir beide nackt in der Sonne bzw. in einem Boot gesessen sind. 

So tief vertraut wie wir auch sind - es gibt dann doch anscheinend irgendwelche Grenzen, die keiner überschreiten möchte, auch wenn vollkommen klar ist, dass eine Überschreitung dieser Grenzen nichts ändern würden, außer, dass man sich vielleicht noch wohler fühlen würde. 

Da arbeiten ins uns anscheinend noch Konventionen, die so was von lächerlich sind - aber so was von stark. Und das allerdoofste daran ist, man entdeckt sie, je älter man wird. Ich glaube, ich werde mir, wenn ich denn mal alt sein werde, ganz schön Vorhaltungen machen, Sachen nicht getan zu haben, weil ich dachte, dass es sich nicht gehört, oder man es nicht macht oder was auch immer, anstatt einfach zu fragen, ob es ok wäre. 

Ab morgen

Manche Ideen sind dann doch aufwändiger, als man denkt. Aber morgen gehts los mit dem Schubladen-Projekt

Samstag, 17. August 2013

K(r)ampf?!

Wahlkampf ist - und keiner schaut zu. Ich halte mich ja schon für einen politisch interessierten Menschen, aber derzeit geht mir der Wahlkampf wirklich am Arsch vorbei. Der Vereinfachung und Verdummung scheint derzeit keine Grenzen gesetzt zu sein. Von den Plakaten grinsen einem, meist dämlich, irgendwelche Köpfe an. Darunter ein Name. Das war's dann. Für was sie stehen, was sie erreichen wollen bleibt ihr Geheimnis - und die soll ich dann wählen?

Die Politik hat es scheinbar dann doch geschafft, ihre Themen so für sich zu behalten, dass überhaupt kein Interesse mehr besteht. Oder ist die Gesellschaft einfach nur gesättigt und zufrieden, mit sich selbst beschäftigt und will gar nicht wissen, wie dieses Land bpsw. zu den Entwicklungen in Ägypten oder Syrien steht? Hr. Profalla beendet den amerikansichen Abhörskandal mit einem Satz, die SPD schaut im ersten Moment dumm aus der Wäsche und - hält den Mund. Die Piraten nehmen zu diesem Thema überhaupt keine Stellung und vermutlich wird die FDP die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Brillengestelle fordern, falls Hr. Fielmann da eine Spende springen lässt. Die Grünen mutieren immer mehr zu einer angestrichenen CDU. Laut wollen sie rot-grün, aber, wie es mir scheinen will, breitet sie sich hinter den Kulissen schon lange auf schwarz-grün vor. 

Der lahme, lahme Wahlkampf will einem echt weiß machen, dass alles in bester Ordnung ist. Über brennende soziale Themen schweigen sich alle Parteien auf, über die immer größer werden Kluft von Arm und Reich springen sich mit einem, zugegebenen gewaltigen, Satz hinweg. 

Die Bürgerschaft beobachtet das wohl - und wendet sich dann wieder der Tiefkühlpizza und dem privaten Fernsehsender zu, denn das ist allemal bequemer und einfacher. 

Freitag, 16. August 2013

Gegeneinladung

  • Leberspätzlesuppe (zwar in Schwaben eingekauft, aber richtig gut!)
  • Tafelspitz (nicht durch) mit einer genialen Soße und Kartoffeln und Karotten
Gastgeber: E. + M.
Kochaufwand: Der Tafelspitz hat so seine Zeit gebraucht, so wie ich sie einschätze würden sie 'mittel' sagen. 

Momente ohne Datum VII

Liebe versöhnt - sagt man. Was, wenn keine Möglichkeit zur Liebe da ist?

Yep

Eigentlich wollte ich heute ja ... aber jetzt tue ich dann doch lieber so, als sei das ein schöner, freier, erholsamer Ferientag. Das kann ich übrigens richtig gut. 

Donnerstag, 15. August 2013

Mittwoch, 14. August 2013

Glaube ist das eine

Mein Glaube an diesen Sommer ist so groß, dass ich mir schon heute eine Winterjacke gekauft habe. Schick ist sie und rot und warm.

Monatssalär

Nach fünf Jahren notwendigerweise zwei neue Brillen gekauft, also bestellt. Wenn ich die in ca. 10 Tagen abholen und bezahlen darf, dann werde ich auf einen Schlag mehr Geld los, als ich im Monat durchschnittlich verbrauche. Und die beiden Gestelle zusammen kosten nicht einmal 100 Euro. 

Schubladenprojekt

Als ich gestern auf diese Schublade stieß, ließ sie mich dann doch nicht mehr so richtig los. Also habe ich begonnen darin etwas zu kramen. Von manchen Dingern weiß ich noch viel, woher ich sie habe, für was man sie braucht, von anderen gar nichts mehr. Jetzt am überlegen, ob ich nicht alle die Dinger für ein Photoprojekt benutze, ein ganz einfaches. Alles einzeln photographieren und dazu das, an was ich mich erinnern kann. Wär das was? *grübel*

Dienstag, 13. August 2013

Momente ohne Datum VI

Seit Tagen ein kleiner, brauner Vogel auf dem Balkon. Immer wieder saß dieses Tier auf der Brüstung und kreischte mehr, als daß es pfiff. Oft schon morgens um sechs, so daß er aufwachte. Leben vor der Scheibe, mitten in Beton. Natur als Ausnahme, als das Besondere und Bemerkenswerte. Zutraulich war der Vogel nicht, aber er blieb sitzen, wenn das Fenster geöffnet oder geschlossen wurde, was bisher noch kein Vogel getan hatte. Zufall war, daß er auf diesem Balkon saß, es hatte nichts zu bedeuten. Flog er weg, kam er wieder. kreischte, sang und piepste, flog wieder weg und war wieder da. rechts auf der Brüstung, manchmal von der Geländerstange verdeckt, braun mit schwarzer Zeichnung und grauer Brust, schwarzem Schnabel. Körnerfresser, soviel stand gerade noch fest, nicht aber, was für ein Vogel. Zufriedenheit, auch wenn es nur Zufall war. Wohl doch nicht Zufriedenheit, sondern etwas Bemerkenswertes. Der Vogel auf der Brüstung als Freund, der nichts wußte. Einbildung phantastischer Naturverbundenheit. 

o.T.


50

Auf der Suche nach meiner Brillenstärke - irgendwo muss doch diese Bescheinigung vom Arzt rumfahren - in einer Schublade auf tiefe Vergangenheit gestoßen - darunter auch 50 D-Mark. Alt, aber immer noch sehr vertraut.  

Montag, 12. August 2013

Kult!

Letzte Woche zufällig spät Abends auf dem SWR gesehen. Echt kultig. Und schön, dass es das auch online gibt: http://www.swr.de/diekirchebleibtimdorf

Ich helfe auch gerne, wenn der ein oder andere dialektale Begriff nicht verständlich ist. 

Apokalypse?

Draußen ist der Himmel gelb, richtig gelb - dazu ein Regenbogen in seltener Pracht. Das könnte der Beginn des Weltuntergangs sein. Mal sehen.

Nicht wenig

Für das Statistische Landesamt mache ich gerade bei einer Erhebung mit. Ich 'darf' daher alle Ausgaben - aber auch wirklich alle (!) - für drei Monate aufschreiben. Ist einerseits schon spannend, andererseits unglaublich erschreckend, was man alles ausgibt, was man normalerweise gar nicht so wahrnimmt - und wie sich das dann zusammenläppert. 

Sonntag, 11. August 2013

Alles hat ein Ende

In der Wohnung sind es ca. 22 Grad. Aber 'abgehärtet', wie ich nach dem FKK-Urlaub bin, braucht es gerade ein dünnes T-Shirt. um mich wohl zu fühlen. Aber die Seeligkeit hat nachher ein Ende - wir treffen noch ein paar Freunde. 

Soll erreicht

Im Durchschnitt lese ich etwas mehr als 15.000 Seiten pro Jahr, das sind rechnerisch 55. Bücher. Bis heute habe ich zwar erst 35 Bücher in diesem Jahr gelesen, aber die hatten insgesamt dann immerhin 15.968 Seiten. 

Samstag, 10. August 2013

Nie im Leben - denkste

Und natürlich ist mir der Lesestoff ausgegangen, obwohl ich mir in F. noch zwei Krimis und einen dicken Roman besorgt hatte. Aber wenn man den ganzen Tag nix macht, außer nackt sein und lesen ... Und so 'musste' ich einen Roman lesen, den ich eigentlich nie lesen wollte: "Anna Karenina" von  L. Tolstoij. Es gehört(e) zu den drei Büchern, die ich - aus sehr unterschiedlichen Gründen - von vornherein ablehnte. "Anna Karenina" deswegen, weil ich meinte irgendwo zu wissen, dass es so eine kitschige Liebesgeschichte sei ... aber in der Not frißt der Teufel Fliegen ... und das tut auch mal gut. Geiles Buch, ohne jede Frage, herrliche Typen, wirklich toll kombiniert, tolle Übergänge, schöne Kontraste, herrliche Sentenzen. Bin froh, dass ich es gelesen habe.

Das zweite, was ich nie lesen wollte, war "Schuld und Sühne" von Dostojewskij. Allein schon wegen dem moralinsaurem Titel. Geht gar nicht, hört sich einfach zu katholisch an, mit erhobenem Finger und so Zeugs. In meiner Dostojewskij-Phase habe ich es immer im Regal stehen lassen und war, als ich alles andere von ihm durch hatte, erstaunt, dass mir "Rodion Raskolnikoff" noch bis dahin nicht unter die Finger gekommen war. Eins der geilsten Bücher der Welt - wenn auch der Schluss so Scheiße ist, dass ich mein Buch damals wirklich am Ende, ich saß in einem Park, in ein Gebüsch geschmissen habe. Erst etwas später wurde mir klar: Das letzte Kapitel musste Dostojewskij schreiben, dass er es überhaupt veröffentlichen konnte, und es war natürlich der Roman, den man im deutschen halt fälschlicherweise unter "Schuld und Sühne" veröffentlicht.

"Schau heimwärts, Engel" ist das dritte, was ich nie lesen wollte, obwohl es zur Weltliteratur gehört. Auch wegen dem Titel. Mal bei Gaga ein paar Seiten Korrektur gelesen, was meine Weigerung stärkte, denn das waren echt miese Seiten. Und dann habe ich es mir mal als Hörbuch mitgenommen und nach der ersten CD gleich ein Exemplar gekauft. Ich bin ja echt kein Freund amerikanischer Literatur, aber das, das ist so was von rasant-elegant-genial, wie kaum ein anderes - bis auf die paar schwachen Seiten, die ich damals Korrektur gelesen haben. 

Blank gezogen

Der einzige Nachteil auf so einem FKK-Campingplatz ist: Die anderen sind auch nackt. Das ist nun wahrlich kein ästhetisches Vergnügen (mit ganz wenigen Ausnahmen). Aber wenn ich dann so mal selber in den Spiegel schaue, dann muss man schon zugegeben, dass ich jetzt nun auch nicht gerade als Top-Modell durchgehen würde und also ganz gut in diese Runde passe.

Aber das war nun auch echt der einzige 'Nachteil', ansonsten war es einfach nur klasse. Mal nicht morgens sich im Zelt kompliziert was anziehen müssen, sondern gleich so zum See stolpern zu können und sich ins Wasser fallen zu lassen usw.

OK, es ist schon durchaus skurril, wenn da 40 nackte Menschen auf Handtüchern im Freien sitzen bei Bier u.a., um einem (angezogenem) Alphornbläser zuzuhören. Und hin und wieder fühlte man sich auch im Zoo, meist meinte man, vor dem Nilpferdgehege zu sitzen. Wenn wir gewußt hätte, dass wir die ganze Zeit dort sind, hätte ich mir die eine Tasche mit Klamotten sparen können, denn außer zum Einkaufen und den paar Ausflügen brauchte ich ja nix. 

Auffallend, das alte Motto "Wir sind nackt und nennen uns Du" gilt immer noch. Ich hab noch nie so viel auf einem Campingplatz grüßen 'müssen' wie da. Wenn ich gewollt hätte, wäre ich mit den anderen auch gut in Kontakt gekommen - ich wollte aber nicht, ich wollte lesen. Alle war echt freundlich und hilfsbereit - das hab' ich so noch nie auf einem Platz erlebt.

Immer mal wieder habe ich mir überlegt, warum mir das so gut gefällt, nackt zu sein, nackt den Abfall weg zu tragen, nackt das Geschirr zu spülen etc., aber eine Antwort will mir einfach nicht kommen, außer der, das es sich gut anfühlt. Hinreichender Grund? Mir egal. 

Kurz: Das war richtig schön, hat richtig gut getan.