Rolli-A. nach langer Zeit mal wieder zum Abendessen hier. Sie isst ja recht wenig, bringt ja wohl auch gerade knapp 30 kg auf die Waage. Heute dann ganz spontan beim Kochen die 'Rezepturen' umgestellt, weil ich dachte, wenn sie schon so wenig isst, dann soll in jedem kleinen Bissen so viel wie möglich drin sein, dass ein Gabel Reis eben mehr ist, als eine Gabel Reis. Also alles gepimpt, alles so klein wie möglich geschnitten, echt Gedanken über Kombinationen gemacht, dass es abwechslungsreich ist. Und da es ja dauert, bis man sie Häppchen nach Häppchen satt hat und ich kaltes Essen hasse, bekam sie ihren Teller auf einem Stöfchen.
Und mal wieder die vertraute Unsicherheit, jemanden das Essen zu geben, zu schauen, dass die Portion auf der Gabel nicht zu groß, nicht zu klein ist, das Tempo stimmt … und es dann doch als Normalität zu betrachten. Und dann über die Zeit die Vertrautheit, dass ich hier die Vorspeise auch mit den Fingern in den Mund stecken kann, dass andere dann elegant mit Gabel, wobei ich nach wie vor mich konzentrieren muss, um nicht jedesmal auch den Mund aufzumachen.
Und dann ihre Lebendigkeit, die ansteckt, auch wenn sie gerade mal ihre rechte Hand maximal einen Zentimeter bewegen kann (sonst nichts).
Es gibt Momente, wo dir 30 Jahre (!) Altersunterschied nicht relevant sind, dann Momente, wo ich mich ihr gegenüber nur alt fühle, dann wieder andere, wo ich denke, ich kann da einen Impuls setzen, Momente, wo ich einfach abschalte, weil es pubertäres Geschwätz ist, Momente, wo ich dieses Sozialsystem einfach nur verfluche, Momente, wo ich das Sozialsystem als einzigarti empfinde … es ist so ein anders Leben, was sie führen muss, und was dann doch so gleich mit dem meinen ist.
Aber es sind dann die Kleinigkeiten. Sie hat eine Kur genehmigt bekommen. Sie möchte einfach mal aus der Familie raus, drei Woche einfach mal ohne Familie. Kann man verstehen. Und an was scheitert es? Sie kann sich für die Kur keinen Assistennten leisten der sie in der dortigen freien Zeit 'betreut', d.h., ihr die Mahlzeiten gibt, in den freien Zeiten dort dann ihr mal was zu trinken gibt, sie mal aufs Bett legt, sich mit ihr unterhält, wohl mal am Computer was zu machen, also nur Dinge, die eh jeder kann. Alles Dinge, die ich kann, machen würde. Der "Assistent" hätte keinlerei pflergische Aufgaben wie waschen, anziehen usw. Ich vermute mal, dass mein 'Betreuer' bei der Arbeitsagentur sagen würde: "Ok, wenn Sie sich wie vereinbart bewerben und telefonisch erreichbar sind, dann machen Sie das für die drei Wochen" - aber dann würde er auch fragen: "Und was ist, wenn Sie dann ein Vorstellungsgespräche haben?"
Ich bin moralisch gerade in einem echten Dilemma.









