Einerseits überschätzen wir den Anderen, andererseits unterschätzen wir ihn und wir überschätzen fortwährend uns selbst und unterschätzen uns, und wenn wir uns überschätzen sollten, unterschätzen wir uns, wie wir uns unterschätzen sollen, wenn wir uns überschätzen. Und tatsächlich überschätzen wir vor allem die ganze Zeit das, was wir vorhaben, denn in Wahrheit wird jede Geistesarbeit wie jede andere Arbeit, maßlos überschätzt und es gibt keine Geistesarbeit auf der Welt, auf welche diese alles in allem überschätzte Welt nicht verzichten könnte, wie es keinen Menschen und also keinen Geist gibt, auf den in dieser Welt nicht zu verzichten wäre, wie überhaupt auf alles zu verzichten wäre, wenn wir den Mut und die Kraft dazu hätten.
Heute bin ich gefragt worden, was "Trockensex" ist. Auch wenn die Welt jetzt über mich lachen wird - ich weiß nicht, was das ist. Kann mich jemand aufklären?
Echt, was tut mir der Arsch weh! Dabei war ich ganz brav! Scheint am Shooting zu liegen, einfach wohl zu oft auf den Boden geworfen und wieder auf den komischen Hocker geklettert. Irgendetwas davon wird es gewesen sein.
So ein kleinwenig war es dann heute doch anstrengend. Nur sechs Stunden geschlafen und dann mein wohl längstes Shooting: von 12 bis 20:30 Uhr, vielleicht ne knappe Stunde Pause. Location war richtig geil, ein ehemaliger Gesellschaftssaal eines Hotels wohl von der Jahrhundertwende. Herrlich morbide, herrlich dreckig. Ein Modell (weiblich und angezogen), eine Visagistin und ein Ideengeber / technischer Helfer. Dazu Kartons, Wollknäule, verschiedene Klamotten und ein unendlich großes, rotes Tuch. Das hatte situationsweise schon fast was Professionelles an sich. Und zwei Hammerbilder sind sicher dabei.
Wenn man nicht so blöd wäre wie ich, dann hätte man gezählt, wie viele Flammkuchen es aus 2,5 kg Hefeteig gibt. Aber die braucht man schon, für 25 Gäste. Und wenn man nicht so blöd wäre wie ich, würde man auch richtige Topflappen nehmen und sich eben nicht die Pfoten verbrennen.
Ich baue vor. Jetzt schon zwei feste Arzttermine für 2014. "Da weiß man, was man hat - Guten Abend!" Wenigstens nur Routineuntersuchungen. Die Schmerzen im Fuß haben nachgelassen die Diagnose heute war auch eher einfach und hatten nichts von den Horrorüberlegungen zu tun, die ich mir gemacht hatte. Irgendeine Art von Spreng-Spreiz-Plattfuß oder so. Kann die Diagnose auf dem Rezept nicht entschlüsseln. Jedenfalls jetzt mal Einlagen. Nun gut.
Hihi - habe mir gerade selber eine halbe Stunde lang zugehört. M. hat eine Lesung aufgenommen und da ich das Aufnahmegerät mir von ihm für morgen geborgt und etwas rumexperimentiert habe, bin ich auch auf die Datei gestoßen. Meine Herren! Ich dachte, mein S-Fehler sei nicht soo schlimm. Aber er ist sooo schlimm. Muss echt mal mit 'nem Arzt reden, ob es 'ne Runde Logopädie dafür bzw. dagegen gibt. Ansonsten: Interessant, interessant. War, was Betonung und Sprachmelodie betrifft, recht zufrieden. Man hört (zwar) den Einfluss von Ulrich Matthes - aber das finde ich so gar nicht schlimm, ist er doch für mich derzeit der beste deutsche Sprecher.
Da gibt es in Frankreich ein Reinigungsmittel, dass sich "Cyclon B" nennt. Und das benutzt eine Reinigungsfirma im EU-Parlament!
Ich bekomme gerade echt die Krise! Wie doof sind denn die Hersteller? Wie doof sind denn die dort vom Markenschutz? Wie kann man ein Reinigungsmittel nach einem Gift benennen, mit dem Millionen von Menschen umgebracht wurden? Wie weit ist es denn mit dem historischem Bewusstsein?
In meinen Augen ist das eine kapitalistische Art der Leichenschändung.
Und wenn ich was zu sagen hätte, dann würden die Verantwortlichen a) sofort entlassen und b) sofort vor Gericht gestellt werden wegen Verunglimpfung von Toten. Zumindest in Deutschland ist das ja ein Straftatbestand, wie das in Frankreich ist, werde ich morgen L. fragen, die dort Jura studiert.
Mir gerade echt den Arsch und vor allem die Hände abgefroren. H. hatte gestern noch angerufen, ob ich nicht heute spontan auf die Baustelle fahren könnte. Es würde Dachteile geliefert, die mit einem Kran über's Dach gehievt werden sollten. Also auf den Anruf vom Zimmermann gewartet, dann aufs Rad geschwungen, zweimal fast vom Rad geflogen - huch, ist ja doch schon glatt! - und dann dort eine Stunde photographiert.
OK, spektakulär ist was anderes, aber dass es H. und J. interessiert, wie das ausgesehen hat, kann ich nachvollziehen.
Vor zwei Wochen mal wieder jemand getroffen. Sie erzählte in der großen Runde etwas von sich. Danach bin ich zu ihr hin und hab' gesagt, ich sei einfach so neugierig auf weitere Details, ob wir uns nicht mal treffen könnten. Heute war sie da. Selten spannendes Gespräch über Hetero-, Homo- und Bisexualität. Und das nicht auf irgendwelchen theoretischen Ebenen, das natürlich auch, sondern direkt aus dem Leben. Und sie hat echt kein Blatt vor dem Mund genommen. Sowas von interessant.
Seit gut 30 Jahren (das muss man mal sagen können, ohne sich gleich alt zu fühlen!) sammel ich mein Kleingeld in einer Blechdose. Also damals 1-, 2- und 5-Pfennigstücke, wenn ich großzügig zu mir war, auch mal einen Zehner. Und wenn die Dose dann randvoll ist, dann wird das ganze Kleingeld sortiert, gerollt, zur Bank gebracht - und das, was ich dann in der Hand habe, ist das sogenannte "Luxusgeld", damit kann ich machen was ich will.
Zum überwiegend Teil ist das Geld immer in (teure) Bücher gegangen, im Studium habe ich mir davon dann hin und wieder mal ein Hardcover geleistet.
Vor drei Wochen war es mal wieder soweit. Die Dose war voll, 90 Euro hat sie erbracht. (Ok, ok - logisch ist das gerade so überhaupt nicht, denn ich finanziere mich ja über ALG 1 und vom Sparkonto, weil das ALG 1 wirklich nicht reicht, so dass das, was ich spare eigentlich wieder auf das Sparkonto zurück müsste … wie auch immer … das es nicht logisch ist, habe ich ja zugegeben.) Und spannend war jetzt zum zweiten Mal, dass ich keine Ahnung hatte, wofür ich das Geld ausgeben soll. Denn die Bücher, die ich gerade will, liegen gerade im 300-Euro-Bereich, Klamotten hab' ich genug, an Musik will mir auch nicht gerade was einfallen. Aber irgendwie habe ich gelernt, manchmal einfach gelassen sein zu können, zu denken, es findet sich.
Und nun hat es sich gefunden, gestern Abend / gestern Nacht: Zuerst zwei Fachbücher für 50 Euro, dann die Vivaldi-Oper nebst noch einer Vivaldi-CD mit der Bartoli für insgesamt 20 Euro, bleiben also noch 20 übrig und die kann ich ja als Entschädigung für den Traum in ein feines Stoffteil investieren.
Gerade auf ARTE noch eine Film geschaut: "Wir waren Zeugen", F von 2006. Spielt so um 1985 als AIDS als "Seuche" plötzlich die Welt eroberte und verdammt viele total verunsicherte. Der Film zeigt mit wenig Personal die Auswirkungen von AIDS und die Hilflosigkeit der Wissenschaft - was ja noch richtig angedauert hat.
Mir war, wie wohl allen, die mal ne Zeitung gelesen oder Nachrichten gesehen / gehört haben, AIDS ein Begriff, ein Angstbegriff - und der machte Sex jetzt gerade nicht einfacher, war man damals doch total unsicher, ob es nun wirklich nur die Schwulen betrifft. Dooferweise war ich damals auch hin und wieder schwul unterwegs, auch wenn ich mein Heterogehabe mit Freundin und so natürlich nach außen aufrecht erhielt.
Dennoch, die 'heiße' Zeit von AIDS habe ich nicht mitbekommen, aber wenn während des Films ist mir schon ganz schön aufgegangen, wie heftig das damals gewesen sein muss, welche Verunsicherungen, welche Verzweiflung. Da einen klaren Verstand zu behalten und dennoch seine Lust zu leben … ich glaub, ich führ da mal ein paar Interviews, in meinem Bekanntenkreis habe ich ja einige, die das so richtig miterlebt haben und zum Teil auch was getan.
Am Anfang und am Ende des Films lief obige Arie Qual favellar? … Abderò, volerò, griderò (ab 1:24 geht's zur Sache - absolut geil!!!). Vivaldi, das tippte ich sofort interessanterweise, auch wenn ich bisher nur eine Vivaldi-Oper wirklich kenne. Dass es Cecilia Bartoli sein müsste, dafür habe ich etwas länger gebraucht. Den Rest des Abends werde ich wohl damit verbringen zu schauen, ob es eine Aufnahme von "L' Orlando finto pazzo" (RV 727) gibt. Die will ich!
Heute endlich mal Gelegenheit gehabt, die Technik einer Kollegin anzuwenden. Der arme Junge! Er hat sich echt viel Mühe gegeben, war auch gut vorbereitet, und fand es auch richtig gut, dass ich auf seine Geschichte eingestiegen bin. Leichte Verwirrung machte sich dann beim ihm aber doch breit, als ich seine Schwanzgröße so ganz genau wissen wollte, und ob er Links- oder Rechtsträger sei.
Aber es funktioniert echt gut, einzusteigen und das Ganze dann ad absurdum zu führen. Macht sogar Spaß. Ok, dass ich ihm damit seinen Spaß genommen habe … aber nun ja, so ist es halt mal, das Leben, ungerecht und dreckig.
So richtig fußkrank darf man ja in Deutschland ja nicht werden. Seit ein paar Tagen Probleme mit dem linken Fuß und schon am Freitag dachte ich, na, lass mal einen Arzt darauf schauen. Also ein paar Orthopäden angerufen - durchgekommen bin ich bei keinem. Gut, soo schlimm ist es auch nicht.
Heute einfach mal zu einem hingefahren, ein bisschen auf dem Busch geklopft, etwas gejammert und hab' den netten Menschen hinter dem Tresen erweichen können. Termin in zwei Wochen!
Etwas frustriert nach Haues gefahren, nochmals mit viel Geduld einige Orthopäden angerufen, das Beste was ich raus schlagen konnte, war ein Termin diese Woche, am Freitag, am späten Nachmittag.
Ich beobachte das jetzt noch heute und morgen, notfalls 'renne' ich Mittwoch in die orthopädische Ambulanz.