Ich bin gerade auf einem Backtripp. Kaufe Förmchen wie doof, habe schon eine eigene Kiste dazu, suche nach Rezepten, als gäbe es kein Morgen. Klar, dass ich da auch meine Mutter anhaue, auch wenn das zwischen ihr und mir ein wirklich total hartes Thema ist. Denn in meiner Studentenzeit hatte ich sie gebeten, mir das Rezept für ein gewisses Gebäck von ihrer Freundin zu besorgen. Meine Mutter hat sich Jahr dagegen gewehrt, mit der Argumentation, dass eben das Geheimrezept von E. und es wäre unschicklich, es ihr zu entreißen. Irgendwann hat sie doch gefragt und auch sofort bekommen. Meine Mutter hat es mir sofort geschickt. Als es kam, habe ich sie angerufen und mich dafür bedankt. Wieder einen Tag später rief sie an, um mir zu berichten, dass ihre Freundin E. gestorben wäre.
Seit dem ist der Austausch von Rezepten mit dieser Geschichte behaftet.
Jetzt war ich so mutig und hab' vor zwei Wochen nach den Rezepten für Linzertorte und ein paar Plätzchen gefragt. OK, nach der ersten Woche war noch nix im Briefkasten. Am Sonntag mit ihr telefoniert und mich 'beschwert'. Geschickt wie sie ist, hat sie mir nur das Kochbuch genannt, aus dem sie die meisten Plätzchen macht und mir versprochen, dann mir die betreffenden Seiten zu nennen. Aber immerhin kam heute das Geheimrezept der Linzertorte - das stammt aber aber von meiner Großmutter väterlicherseits, also wohl gefahrlos. Aber typisch Mutter, gibt es nur die Auflistung der Zutaten und als Arbeitsanleitung steht trocken: "Teig herstellen, kühl stellen. Ergibt drei Torten".
Ja, ja - so bringt man den Sohn dazu, wieder zu Muttern zu fahren, um ihr über die Schultern zu schauen, denn da gibt es noch zwei, drei Geheimnisse, denn allein in der Angabe "3 Eßl. Schokoladenpulver" verbergen sich genau die Welten, die die Linzertorte ausmachen.
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