Mit Marcel Reich-Ranicki ist heute wirklich ein großer Literaturkritiker gestorben. Auch wenn ich seine Art nicht immer mochte, aber auf sein Urteil war in der Hinsicht Verlass, dass es begründet war und nicht nur eine Seelenstimmung wiedergab, wie das bspw. so oft bei Frau Heidenreich der Fall ist.
Man musste ihn schon etwas kennen, um seine Kritiken gut einordnen zu können. Mit der Zeit hatte ich es raus und es gab Bücher, die er in den Himmel lobte, von denen ich dann wußte, dass ich sie nicht lesen werde und umgekehrt. Dass er mit Arno Schmidt nicht konnte und ihn bös runtermachte, fand ich letztendlich nachvollziehbar, wenn auch schade, denn da hat er einen der Großen wirklich verkannt.
Ich bin mir sicher, dass er - ähnlich wie Alfred Kerr - in die Literaturgeschichte eingehen wird und wir auf Jahre niemanden haben werde, der auch nur annähernd an sein Urteil heranreicht. Erinnert man sich noch an das "Literarische Quartett", dann kann man sich noch gut erinnern, wie der unsägliche Hellmuth Karasek jedesmal von ihm ad absurdum geführt wurde. Das MRR mit den mitdiskutierenden Frauen manchmal in einer Art umgesprungen ist, die sehr, sehr grenzwertig war, kann man kaum entschuldigen. Aber eins - auch wenn er hin und wieder quasi dann über die Strenge schlug - kann man ihm nicht absprechen: Er hat wirklich für die "gute" Literatur gekämpft und die Möchte-Gern-Literaten dahin verbracht, wo sie hingehören, ins moderne Antiquariat.
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