Sonntag, 15. September 2013

Die Schublade (28)



1985 in meinen Besitz gekommen

„Bitte mit der Brust vor die Platte treten – Schultern bitte nach vorne an die Platte – Arme locker hängen lassen – tief einatmen – tief ausatmen – tief einatmen – PIIEPS – bitte zur Seite drehen – die Arme über den Kopf – tief einatmen – PIIEPS – Danke, Sie können sie wieder anziehen und auf die Station zurück.“ Thorax p.a. und – jetzt fällt mir den Fachbegriff nicht mehr eine – jedenfalls seitlich. 20 bis 30 Lungen mindestens täglich, dazu HWS, LWS und was es sonst noch für Knochen im Menschen gibt, gar nicht so einfach übrigens Jochbein und Daumen. Das war meine erste Tätigkeit als ZDL und dass man wusste wo lechts und rinks ist, legte man das entsprechende Symbol auf die Platte (die man im Anschluss auch noch entwickelte, die Platte neu bestückte und den nächsten Patienten röngte). Ein paar Monate habe ich diese recht stupide Arbeit ausgehalten – und der Himmel sein Dank, derweil P. kennen gelernt – bis ich dann, weil ich mit den ca. 30 weiblichen RTA’s als einziger (junger) Mann nicht so zurecht kam, auf eine Onkologische Abteilung wechselte. Und dieses Ding war auch im Einsatz, als ich eines Tages morgens kurz vor 8, es herrschte Personalnot und ich war gerade da, einen 16-Jährigen komplett durchröntgen musste, während er auf dem Tisch beatmet wurde. Gegen Ende rief der Arzt: „Sofort in den OP!“ und alles rannte los. Man hat ihn nicht retten können, die Bauchschlagader war gerissen, drei Stunden später war er tot. Genug – ich könnte Stunden von dieser Zeit erzählen. 

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