Der Kollege, der gerade meine Aufgaben übernimmt, bat um Rückruf. Telefonischer Support, was jetzt wie zu tun ist, wo er aufpassen muss, wo er locker bleiben kann. Wieder die Versicherung, er kann mich jederzeit anrufen, ich helfe ihm, aber auch nur ihm.
Die Chefetage bekommt wohl gerade ganz leicht eine Ahnung, was ich die letzten fünf Jahre geleistet habe, denn der Kollege zeigt immer und immer wieder Schwierigkeiten, Probleme und Fragen auf, die dann die Chefetage nur derzeit dadurch löst, dass es nicht mehr "wichtig" ist, dass man darauf auch "verzichten" kann, dass man jetzt auch Seiten einfach dadurch füllt, dass man ganzseitige Bilder abdruckt. Hey, ich hab' das in fünf Jahren genau einmal machen dürfen! Ich gönn's meinem Kollegen, dass er da nicht dem vollem Stress unterzogen wird.
Aber, das war so der Unterton im Gespräch mit dem Kollegen, ist schon klar geworden, dass die Chefetage zwar in Ansätzen sieht, was ich kann und tue, aber dass man es mir auch nicht verzeiht, dass ich nun insgesamt sechs Wochen ausfalle. Dass es in drei Wochen dann zu einem Gespräch kommen wird, ist mir auch klar, würde ich als Chef auch tun. Dass möglicherweise eine Kündigung im Raum steht, kann ich mir selber ausrechnen.
Die Tragik bleibt die selbe. Es IST mein Job, aber nicht unter diesen Umständen. Und ich bin gerade am überlegen, ob eine Kündigung mich befreien würde, oder mich noch tiefer in die Hoffnungslosigkeit stürzt. Darüber kann ich gerade echt keine Aussage machen.
Rational ist klar, dass es da ein Ende geben muss, besser früher als später. Rational ist auch klar, dass ein neuer Job zu ergattern, eine verdammt schwere Aufgabe ist.
Und ich überlege die ganze Zeit, schon, was der Coach damals gemacht hatte, dass ich wirklich frei denken konnte: "Du musst keinen Job finden, er findet dich." Damals stimmte das auch.
Wenn ich ehrlich bin, dann will ich da nicht mehr hin. Käme es zu einer Kündigung, würde ich natürlich kämpfen, es als ungerecht empfinden usw usf., aber als "treuer Hund" braucht es wohl diese harten Schnitte, die ich nicht mag.
Hoffnung und / oder Zuversicht aufrecht zu erhalten ist manchmal so was von verdammt schwer.
Es werden spannende Zeiten folgen. Und in solchen Zeiten zünd ich gerne eine Kerze an, denn so vieles kann sich entscheiden und ist auf Messers Schneide in Bereichen, auf die man nur bedingt Einfluss hat. Zudem wisseen wir auch nicht wirklich eine Antwort auf die Frage: was ist in Wirklichkeit auf Dauer eine gute Lösung. Für mein Empfinden wäre es ein Erfolg, wenn die Chefetage genau das erfährt: Deine Tragik ist: es ist dein Job, sonst wärst du schon urzeiten weg und: unter unter diesen Umständen geht's so nicht weiter.
AntwortenLöschenWenn der Rahmen,in dem man sich verwirklichen kann zu eng wird, kann man nur selbt entscheiden und meine Linie ist dabei: ehrlich sein. Auch wenn es die andern nicht sind.
Du hast nichts zu verlieren, denn was dir entgegengebracht wird ist es nicht Wert von Verlust zu sprechen und was in dir ist bist du selbst. Das kann dir keiner nehmen. - Vielleicht kann diese Zuversicht deine Hoffnung nähren.