Gestern unbedacht in einer Mail geschrieben, ich würde mich nun "mit Dostojewskij in die Badewanne" verziehen. Seitdem werde ich dauernd gefragt, wie es denn "mit Dostojewskij" im "Wannenbad" gewesen wäre.* Klar, da will mich jemand bewußt mißverstehen, schließlich ist Dostojewskij ja schon lange tot und gemeint war auch nur der "Idiot" von ihm.
Aber Dostojewskij kann man, wie ich finde, eh nur in der Badewanne oder in der Sauna lesen. Einem selber muss jedenfalls warm sein und draußen kalt - passt ja gerade hervorragend. Und das nicht, weil die Romane in Rußland spielen, wo es ja angeblich immer kalt ist (was ja gar nicht stimmt). Ich hab die "Brüder Karamasov" mal im Sommer gelesen - irgendwie ging das gar nicht.
Was mich gerade am "Idiot" so völlig fasziniert, ist, dass ich dauernd glaube, mit im Raum zu stehen. Es gibt ja schon einige Bücher, bei denen ich sofort Bilder habe. Es gibt aber auch Bücher, da passiert gar nichts. "Wellen" von von Keyserling beispielsweise. Wenn morgen ein Produzent kommt und sagt: "Herr X., hätten sie nicht Lust, Regie bei 'Wellen' zu führen?" würde ich spontan zusagen. Denn beim Lesen hatte ich alles im Kopf, jede Kamerafahrt, die verschiedenen Schnitte, selbst die Musik war im Kopf. Beim "Idiot" ist das dagegen anders. Es gab gerade eine Szene, da wurde es im Salon etwas eng, und ich meinte wirklich zu spüren, wie es mir körperlich unangenehm wurde, so nahe beim Fürst oder bei Warwa stehen zu müssen. Der nimmt mich jedenfalls komplett mit in die Szene. Mann, den Thomas meine ich, hat das nie geschafft, da ist immer eine Distanz, da ist man als heimlicher Zuschauer dabei, nie mit in der Szene.
* Ich hab heute sogar noch nach Bildern von ihm gesucht, wollte wissen, wie er in jungen Jahren aussah. Leider nix gefunden. Ist ja nicht so, dass ich nicht auch mal den ein oder die andere in die Wanne zu mir einlade.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen