Donnerstag, 19. September 2013

Wenn die Unvernunft siegt

Bei meinem zweiten Job wurde mir bei den Verhandlungsgesprächen groß angekündigt, dass, wenn ich unterschreiben würde, ein Handy bekommen würde und zwar ein Siemens-was-weiß-ich-für-ein-Ding. OK, was ein Handy ist wußte ich damals schon, für was man es brauchen kann auch - doch die Notwendigkeit habe ich so richtig nicht gesehen. Den Vertrag habe ich damals unterschrieben, nicht wegen des Handys, sondern u.a. wegen der ordentlichen Bezahlung und den vielen Urlaubstagen.

Und damit begann meine Handy-Zeit. Damals war ich viel unterwegs in Deutschland - da war das schon toll, mal schnell auf dem Bahnhof mit dem Chef telefonieren zu können. Kurze Zeit später kam man mit dem Teil auch ins Internet - teuer zwar, aber Chef zahlte ja.

Dann gab es ein neues Handy und noch ein neues und noch ein neues und es war vollkommen klar, dass ich in meiner Position a) immer ein besseres haben musste als die Kollegen und b) eh auf dem neusten Stand sein musste wegen der Kunden.Am Schluss habe ich mir alle sechs Monate ein neues besorgt, nie unter 600 Euro. 

So richtig lange habe ich nicht gebraucht es zu verfluchen. Diese ewige Erreichbarkeit, dieser Druck, auf jeden AB-Anruf antworten zu müssen, nicht ich-bin-nicht-da sein zu können. Zusammen mit Skype war es die perfekte Überwachung, eine Art Folterwerkzeug.

Als ich da aufhörte, das ist jetzt gut sieben Jahre her, hatte ich kein Handy mehr, ganz bewußt, ich wollte nicht-da-sein können. Was nicht wirklich stimmt, ich hatte immer eins, auf Druck meines Mannes - der Jahre zuvor auf Druck von mir eins von mir bekommen hatte - aber das war nur in Gebrauch, wenn wir in Urlaub waren oder einer von uns verreiste. Normalerweise lag und liegt es in der Küche ohne ausreichendem Strom rum und sms beantworte ich dann halt Monate später, wenn überhaupt. Denn die handvoll Leute, die die Nummer haben sind jetzt nicht gerade die, die gerne simsen oder anrufen. 

In den Jahren hat sich herausgestellt, dass ich, bis auf seltene Situationen, ohne Handy gut und ohne Einschränkungen klar komme. Ich hab' es bis auf die genannten seltenen Momente nie vermisst. Man kann mir mailen, man kann mich zu Hause anrufen - bin ich nicht da, bin ich nicht da, bin ich da, bin ich da. Ich habe ein Leben und nicht eine Verfügbarkeit.

Was ich damit sagen will: Ich habe mir heute ein Iphone bestellt.

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