Dienstag, 3. September 2013

Robert Musil ist klasse!

Zur Zeit lese ich (auch / wieder) den "Mann ohne Eigenschaften" (MoE) von Robert Musil. Eher zufällig im Sommer unter den Nackten begonnen, weil mir quasi die Literatur ausgegangen war, und ich ihn als 'Notnagel' (digital) mitgenommen hatte. Genau vor 100 Jahren spielt der Roman und wer "1913" von Illies gelesen hat (sehr zu empfehlen!), der weiß, was in diesem Jahr alles abging. 

Der MoE wartet auf jeder Seite mit einer Stelle, einem Satz, einer Beschreibung, einem Gedanken auf, die ich mir gerne für mein Leben lang merken würde - aber das wird das Gedächtnis nicht mitmache, leider. Leicht ist die Lektüre nicht zu nennen, aber dafür wirbelt sie einem schön das Gehirn rum - etwas, was nur wenige Romane wirklich gut schaffen, und MoE ist einer davon. 

Es könnte also passieren, dass ich in nächster Zeit hin und wieder aus ihm zitiere, denn er ist an manchen Stellen überraschend aktuell. Heute schon mal zwei Zitate:
Denn was fängt man am Jüngsten Tag, wenn die menschlichen Werte gewogen werden, mit drei Abhandlungen über die Ameisensäure an, und wenn es ihrer dreißig wären?! Andererseits, was weiß man vom jüngsten Tag, wenn man nicht einmal weiß, was alles bis dahin aus der Ameisensäure werden kann?! (248)
Philosophen sind Gewalttäter, die keine Armee zur Verfügung haben und sich deshalb die Welt in der Weise unterwerfen, daß sie sie in ein System sperren. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, daß es in den Zeiten der Tyrannis große philosophische Naturen gegeben hat, während es in den Zeiten der fortgeschrittenen Zivilisation und Demokratie nicht gelingt, eine überzeugende Philosophie hervorzubringen, wenigstens soweit sich das nach dem Bedauern beurteilen läßt, das man allgemein darüber äußer hört. Darum wird heute in kurzen Stücken erschreckend viel philosophiert, so daß es gerade nur noch die Kaufläden gibt, wo man ohne Weltanschauung etwas bekommt. (253)

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