Selbstüberschätzung, Unwissenheit, Hochmut, Pech? Tja, die Geschichte wird es entscheiden, was das war. Fakt ist, dass ich meine Radtour nach gut 220 Kilometer wegen einer Achilles-Sehnen-Entzüdung abbrechen musste. Es ging echt nicht mehr. Heute die gut 10 Kilometer zum Bahnhof waren eine Qual.
Und dabei hatte alles gut angefangen, ach was, bis auf die Schmerzen waren die beiden Tage richtig gut. Der Weg ist nicht anspruchsvoll, ich konnte einfach so vor mich hinfahren. 20 Kilometer bis zum ersten Frühstück, dann die nächsten 20-30 Kilometer mit Hape Kerkeling im Ohr, der mir von seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostella erzählte (wo ich in grauer Vorzeit mal mit dem Bus war). Den restlichen Nachmittag fuhr ich mit mir und ein paar Gedanken von Kerkeling - die sich sehr schnell nach woanderst entwickelten - ich war echt in einer Art ego-Flow, spannend, spannend.
Und gestern dann, etwa bei Kilometer 190 machte die rechte Achilles-Sehne mucken - und da ahnte ich schon Schlimmste. Ich hatte das schon mal ... Und als ich heute morgen aufs Klo musste und die Schmerzen nach 10 Metern wieder da waren, war klar, dass ich keine Chance habe, noch die 50 km bis nach Nienburg zu fahren, sondern ich froh sein kann, wenn ich die ca. 10 nach Minden zurückschaffe.
Hätte ich es nicht wissen können, dass das übertrieben ist, mir 5 x 100 Kilometer abzuverlangen? Oder sind die Schmerzen jetzt die Nachfolgen einer erheblichen Verletzung aus meiner frühen Jugendzeit? Egal, es war nicht einfach abzubrechen - dieses Jahr scheine ich nicht gerade so einen Lauf zu haben.
Alternativ werde ich morgen nach G., hier ganz in die Nähe fahren, mit dem Bus, wenn mich J. nicht sogar vielleicht bringt, und dann werde ich die restlichen Tage, an denen ich ja nicht da bin und dann auch nicht da sein werde, auf einem Campingplatz verbringen und nichts anderes tun als lesen, denken, in der Sonne liegen, denken, schlafen, denken, essen und denken.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen