Mittwoch, 12. Juni 2013

Showdown in vier plus einem Akt - mit zwei Zwischenszenen

Akt I
Am Vormittag stürzt der Chef ins Büro. Er hat gerade meine Kündigungsschutzklage in der Post vorgefunden. Er ist so richtig erbost. Was dass den solle, ob das 'einvernehmlich' sei und was ich mir denn davon verspreche. Ich erkläre ihm, dass ich die Überreichung einer Kündigung nicht unter "einvernehmlich" verstehen würde. Es geht hin und her. Er verlässt den Raum mit einem nachdrücklichem: "Na, dann waschen wir halt schmutzige Wäsche, wie Sie wollen!" Rums.

Akt II
Irgendwann am späteren Nachmittag. Wieder Auftritt Chef, diesmal aber wesentlich ruhiger, beherrschter. Er will von mir wissen, was ich mir denn so vorgestellt hätte. Ich kann bei sowas schlecht verhandeln, ziere mich erst und führe dann doch die beiden Punkte an: sofortige Freistellung und Abfindung. Dooferweise verspreche ich mich bei der Abfindung und nenne eine spontan aufgestockte Anzahl von Monatsgehälter und nicht, wie üblich, halbe Monatsgehälter. Er braust wieder auf und verlässt den Raum mit einem: "Sie wissen ja, dass ich auch einfach 'Nein' sagen kann", oder so ähnlich.

Akt III
Eine halbe Stunde später ist er wieder da. Irgendetwas treibt ihn. Er rechnet mir, in seiner übliche Spitzfindigkeit vor, dass ich mit meiner Forderung weit über den Normalen liege - dass ist mir in der Zwischenzeit aber schon selber längst bewusst. Ich habe aber aus Trotz keine Lust, mich zu berichtigen und frage stattdessen, was er denn anbieten würde. Er nennt Freistellung ab dem 17. und eine Summe. "Ich geb' Ihnen morgen Bescheid" sage ich, er geht.

Zwischenszene
Ich rufe nach kurzem Überlegen meine Rechtsanwältin an, die glücklicherweise sofort am Apparat hat. Sie hört sich seinen Vorschlag an, rechnet ein bisschen herum und gibt zufriedene Grunzlaute von sich. Ich verstehe das so, als ob das Angebot gut ist. "Aber wir können versuchen da noch mehr rauszuholen, soll ich?" Da ich manchmal schon zu früh aufgegeben habe, gebe ich ihr das OK.

Akt IV
Eine Viertelstunde - nicht überraschend - Auftritt Chef. Aber jetzt so richtig erbost. Diese Frau da, brauche ihn nie mehr anzurufen, er würde mit ihr nie wieder ein Wort wechseln und was ich mir denn da für eine Person gesucht hätte, die wolle doch eh nur mein Geld und würde nicht an mein Wohl denken. Er würde jetzt nur noch mit mir verhandeln. Dann verkündet er sein letztes Angebot. Freistellung wie gehabt, etwas mehr Geld, das Zeugnis kann ich schreiben, wie es mir gefällt. "Ich geb' Ihnen morgen Bescheid" sage ich, er geht.

Zwischenszene
Ich rufe wieder die Rechtsanwältin an. Berichte von seinem Auftritt, wir unterhalten uns kurz, ich merke, dass sie mehr nicht erreichen wird, vor Gericht würde es wohl weniger werden. Ich bitte sie, den Vergleich dem Gericht mitzuteilen.

Morgen dann, so wie ich es mir vorstelle:

Akt V
Ich gehe in sein Büro, lehne die Tür an, setze mich auf den niedrigen Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch, sage: "Ok, machen wir das so, wie gestern besprochen", greife in die Hosentasche, lege ihm die Schlüssel auf den Tisch und gehe wieder. 


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