Sonntag, 12. Mai 2013

Zeitreise

Ich kenne zumindest eine, die mich für außerordentlich bekloppt hält, ein ganzes Wochenende nichts anderes getan zu haben, außer gut 6.000 Negative zu scannen. Aber das war echt eine spannende Zeitreise, alleine nur zu sehen, wie verschiedene Menschen eine Zeit lang ganz oft zu sehen sind, dann verschwinden und verschwunden bleiben, oder nach Jahren plötzlich wieder auftauchen. 

Da ich die Negative so einigermaßen gut datiert hatte, war es überraschend, welche Ereignisse doch in einem viel näheren zeitlichen Zusammenhang standen, als ich es davor behauptet hätte. Natürlich auch umgekehrt, da waren Ereignisse, die ich viel früher eingeschätzt hatte. Und dass ich mal in Holland mit meiner Patentochter war - das hätte ich bis gestern Abend auch bestritten.

Und ich habe eine Menge über Photographie gelernt. Man kann den Bilder einen gewissen biographischen Reiz ja nicht absprechen, photographisch gesehen sind sie meist eine reine Katastrophe. Jetzt nicht, weil die Belichtung nicht optimal ist oder das Licht oder die Schärfe - nein, der Bildaufbau ist teilweise einfach nur dumm, geknipst halt, ohne Verstand. Richtige Schätzchen sind kaum zu finden.

Wie unbedacht ich photographiert habe, sieht man an den Akten. Ab 1985 tauchen sie auf, aber immer züchtig noch mit Unterhose (und wie es scheinen will, für die nächsten Jahre immer mit der selben, als hätte  ich keine andere gehabt). Erst 1987 dann einen echten Akt - aber ein versteckter. Diese Bilder gehören wirklich zum Schlimmsten, denn da steh ich, doof blickend vor unmöglichen Hintergründen (nur einmal auch nur annähernd neutral) und erwarte wohl, dass die Kamera von sich aus Wunder wirkt. Hat sie aber nicht getan. 

Interessanterweise habe ich in den ersten Jahren meine Wohnungen alle photographiert - das war ausnahmsweise mal so richtig spannend - sollte ich jetzt dann auch mal tun.

Und dann, aber darüber muss ich noch nachdenken, gibt es Dinge, die mich teilweise seit fast 30 Jahren begleiten. Der Schreibtischstuhl, auf dem ich sitze, der Schreibtisch an sich, mein Bücherregal, mein Kaffeebecher und ein paar Gegenstände mehr, wie die eine Pflanze. Ist das Stagnation oder 'Treue'? Ist das 'Bescheidenheit' oder Ignoranz?

Und zu guter letzt noch ein Akt von vor 20 Jahren - der geht ja gerade noch so halb vielleicht ...


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