Eigentlich wollte ich den Film heute auf ARD (oder war das ZDF?) gar nicht sehen "Und alle haben geschwiegen". Ich meinte (und meine) genug dazu gelesen zu haben wie das in den Heimen und Anstalten war, welche Spätfolgen das für die damaligen Kinder und Jugendliche bis heute haben. Und daher war ich nicht sehr überrascht, dass der Spielfilm natürlich sämtliche dramatischen Möglichkeiten nicht ausgelassen hat. Mich hätte zum Beispiel viel mehr interessiert - und das wäre auch 'spannender', zumindest jedoch 'aufklärender' gewesen - wie man als Kind / Jugendlicher sich über Jahre 'wegduckt'. 'wegducken kann' und wie und wo sich das alles auswirkt. Aber auch solche Filme brauchen - nicht nur in den USA - sondern nun auch in Deutschland eben 'Helden'.
Und - aber das ist ja nix Neues - es war auch ein Beweis des deutschen Fernsehen, welches sich an die Sehgewohnheiten seiner Zuschauer orientiert. Das ist also jetzt keine Medienschelte, sondern für mich nur ein Zustandsbericht der deutschen Bevölkerung: Der Spielfilm dauerte 90 Minuten, die anschließende Dokumentation 30.
Und würde ich mit den Verantwortlichen diskutieren, so höre ich schon ihre Begründung, dass man über einen Spielfilm besser das Thema 'breit' verbreiten hätte können, während eine Dokumentation nicht den Sehgewohnheiten entsprächen. Das bringt mich zu dem Fazit: Feige Verantwortliche - geistig armes Deutschland.
Ich versteh schon, dass man sich nicht jeden Abend mit einer anderen Grausamkeit - von denen es ausreichend gibt - auseinandersetzen will (und vielleicht auch gar nicht kann). Andererseits wird es aber einem so was von einfach gemacht, die Augen zu verschließen. Wer sich seine Augen aufmachen lassen will, der muss sich schon aktiv darum bemühen. Aber damit würde ich nun ein Fass aufmachen, denn das ist, wie der olle Fontane so schön schrieb: "Ein weites Feld."
So was wie heute Abend frustriert mich halt einfach mal wieder, dass da was ist, was gesellschaftlich breit diskutiert werden sollte oder gar müsste wird in einen 'hübschen' Spielfilm verpackt, 'jeder' kann sich dann betroffen fühlen und sich, wie heute, in einem Hoffnungsschimmer trösten, was dann bedeutet, man muss nicht mehr großartig darüber nachdenken.
Sich einem Thema aussetzen, sich mit einem Thema auseinandersetzen klappt wohl immer mehr nur dann, wenn man selber betroffen ist - ansonsten ist es eben ein Thema der / des anderen und das bin ja nicht ich.
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