Auf dem Rückweg habe ich dann mal angefangen zu überlegen, wie lange ich F., den ich heute auf eine Stunde im "Dichterhaus" besucht habe, nicht mehr gesehen habe. Das sind schon ein paar Jahre, genau genommen sind es zwei Jahrzehnte!
Wir haben uns begrüßt, haben eine Minute gejammert, warum das nicht schon in den letzten fünf Jahren gepasst hat, haben uns hingesetzt, natürlich Kräutertee getrunken, und uns mal kurz auf den neusten Stand gebracht, um dann das eigentliche Thema zu besprechen.
F. war in meiner Studienzeit der Student, für den ich immer die größte Hochachtung hatte. Er war (ist) nicht nur klug und intelligent, er kann auch reden, sein Umgang mit anderen ist freundlich-elegant, zudem kreativ und offen für vieles. Dass er vor 20 Jahren zudem noch richtig gut aussah, sei mal am Rande bemerkt. Und ich war stolz wie Oskar, als er mich das erste Mal ansprach und bin vor Stolz dann fast geplatzt, als ich dann auch Mitglied einer Forschungsgruppe wurde, in der er schon lange war. Das ermöglichte nämlich dann gemeinsame Wochenende, gemeinsame Abendessen. Und dass ich dann seine Nachfolge als Hiwi antreten durfte, kam mir damals wie ein Traum vor.
Wir sind nie Freunde im eigentlichen Sinne geworden, aber sind uns wohl gegenseitig in großer Sympathie zugeneigt, wie ich es bei nur wenigen Menschen kenne - um ehrlich zu sein, ich muss erst überlegen, ob mir noch jemand einfällt. "Zu-geneigt" ist auch der richtige Begriff dafür, denn wir begegnen uns nicht nur mit Sympathie und Wohlwollen, sondern eben auch mit Respekt und Achtung.
Es ist in diesem Kulturkreis nun nicht gerade Sitte, sich vor jemanden zu verneigen - das mag so auch seine Vorteile haben, aber nicht nur - dennoch wäre F. derjenige, vor dem ich die allerwenigsten Probleme hätte, es ist im Grunde die einzige Geste, die das alles zum Ausdruck bringen würde.
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