Als ich meine "Lesekarriere" begann, gehörten, nicht nur wegen der Schule, die gelben Reclam-Bändchen auch deswegen in mein Regal, weil sie so schön billig waren. Das hat sich im Laufe der Jahre natürlich schon heftig geändert und seit Friedrich Forsmann, dessen Arbeiten ich sonst sehr schätze, sie nun sehr unansehnlich umgestaltet hat, bin ich sogar kein Freund mehr davon.
Aber nun liegt eins auf dem Tisch, teuer wie die Sau. 13,50 Euro für 111 Seiten - und ich musste es mir zudem noch aus Wien kommen lassen. Ursprünglich hat es mal 20 Pfennig gekostet, aber das wird noch vor dem Krieg gewesen sein, schätze ich mal. Aber dieses Kleinod habe ich mir geleistet, denn wer unter den Lebenden wird schon behaupten können "Mimis Badereise" von W. Mikulitsch gelesen zu haben. Man braucht auch erst gar nicht zu googlen - es scheint ein Einzelwerk zu sein. Und da ich keinen russischen Literaturwissenschaftler kenne, werde ich wohl nie mehr erfahren.
Es ist eine sehr typische 'Novelle' der späten Jahrhundertwende, man fährt zur Kur ins Bad, in diesem Fall eben die verheiratete Mimi, bändelt mit einem Kurschatten an - ich glaub, sie geben sich einmal die Hand, das war es dann aber auch schon an körperlicher Nähe - und fährt wieder zurück, unglücklich und nachdenklich natürlich.
Doch diese 'Novelle' ist ein stilistischer Leckerbissen, ich kenne echt keinen Autoren, der es über die Länge schafft, eine gleichbleibende ironische Distanz zu seinen Figuren zu bewahren. Aber selber lesen ist eh immer besser, wer mag, der kann (demnächst) hier lesen.
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